Was ist denn „Lernen“ überhaupt?

Hast du dir schon mal überlegt, wie man „Lernen“ sinnvollerweise definieren könnte? Ich finde, das ist eine sehr interessante Gedankenübung. Wann können wir davon sprechen, dass jemand etwas wirklich gelernt hat? Was passiert eigentlich beim Lernen?

Vorsicht, Spoiler: Es gibt diese Definition natürlich schon. Die am häufigsten verwendete Definition für Lernen stammt aus der Psychologie:

Wenn ein Mensch in einer bestimmten Situation zum Zeitpunkt A eine Handlung vollzieht, zu einem späteren Zeitpunkt B in der gleichen Situation aber verändert handelt, dann ist davon auszugehen, dass zwischen A und B „Lernen“ stattgefunden hat.

Ich finde die Definition, auch wenn sie etwas kompliziert ist, sehr treffend. Besonders wichtig ist aus meiner Sicht, dass mit „lernen“ im psychologischen Sinne immer auch eine Verhaltensänderung verbunden ist. Denn gerade im Bildungssystem kommt dem Begriff des Lernens häufig nur die Rolle von Erinnern und Wiedergeben zu.

Warum lernen wir?

„Humans are naturally curious learning organisms“

Sir Ken Robinson

Einfache Antwort: Wir können gar nicht anders. Wir sind natürlich neugierig. Wie hat sich der Mensch zu dem entwickelt, was er heute ist? Daniel E. Lieberman beschreibt in seinem Buch „The Story of the Human Body“ sehr ausführlich und treffend, wie unsere Evolution nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ablief. Und sämtliche Verhaltensweisen, die wir uns angeeignet haben, lassen sich ohne Ausnahme auf zwei übergeordnete Ziele zurückführen: Überleben und Fortpflanzung.

Nur durch unsere Lernfähigkeit und unsere Lernlust sind wir überhaupt noch hier. Denn dadurch waren wir immer wieder in der Lage, uns an immer wieder neue Gegebenheiten und Umgebungen anzupassen und deswegen unser Überleben und den Fortbestand der Spezies zu sichern.

Was ist der Auslöser für Lernen?

Überleg doch mal einen Moment selbst, wann und in welchen Situationen du in deinem Leben am meisten gelernt hast. Ich meine damit jetzt nicht die Prüfungsvorbereitung – sondern „lernen“ wirklich im Sinne der Verhaltensänderung.
Der größte und häufigste Auslöser für Lernen ist eine so genannte Emotionale Labilisierung: Irgendetwas passt nicht so ganz – oder passt ganz gewaltig nicht. Du stellst fest, dass du etwas nicht kannst. Oder du stellst fest, dass deine Aktion nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Oder du beobachtest jemand, der etwas kann, das du auch gerne können würdest. Als Folge fühlst du dich irgendwie „aufgekratzt“ oder unzufrieden. Du entwickelst den Wunsch, etwas zu ändern. Alternativ ist es dir egal – aber dann findet kein Lernen statt.
Was dann folgt und wie du dabei idealerweise vorgehst, das beschreibe ich in diesem Blog. Dieser Prozess ist unter Umständen sehr lang – aber ich finde ihn unfassbar faszinierend. Er folgt den immer gleichen Prinzipien und wenn es dir gelingt, deine eigene Technik dafür zu entwickeln, kannst du eigentlich alles lernen.

Ist der Lernprozess jemals abgeschlossen?

Lernen ist ein zyklischer Prozess, das beschreibe ich in meinem zyklischen Lernmodell. Das heißt, der Prozess hat weder ein Anfang noch ein Ende. Aber, die Emotionale Labilisierung wechselt sich immer mit der so genannten Kohärenz ab. Der Begriff der Kohärenz kommt aus der Neurobiologie. Er bezeichnet so etwas wie ein „Gleichgewicht“, in dem sich alles sehr stimmig anfühlt. Wenn im Gehirn Kohärenz herrscht, dann ist das ein im Grunde sehr angenehmer Zustand. Alles passt irgendwie zusammen, es gibt keine großen Fragezeichen und Unstimmigkeiten – was aber nicht heißen muss, dass deine Vorstellung von der Welt der Realität entsprechen muss. Es heißt nur, alles passt zusammen, es besteht kein Grund, zu lernen und sich zu ändern. Erst wenn diese Stabilität wieder ins Wanken gerät, geht es mit dem Lernen weiter.

Und jetzt?

Mir ist vollkommen bewusst, dass der Begriff „Selbstorganisiert Lernen“ extrem unsexy ist. Das macht mir aber nichts, denn wie du auf diesen Seiten feststellen wirst, kannst du, wenn du so lernst, jede deiner Herausforderungen lösen. Das wird natürlich erst dadurch ermöglicht, dass wir konstant Zugriff auf sämtliche Informationen haben, die die Menschheit je produziert hat. Gleichzeitig wirst du feststellen, dass die „Erkenntnis“ gar nicht immer von außen kommen muss. Wir tragen bereits sehr viel Wissen in uns, das wir einfach liegen lassen. Selbstorganisiert Lernen bedeutet für mich, auch dieses Wissen anzuzapfen und umzusetzen.
Fragen dazu? Schreibe mir gerne eine Nachricht!