4 Fakten über deinen Hippocampus, die dich zum effizienteren Lerner machen

Hast du dir je die Frage gestellt, wie dein Gehirn selektiert, welche Informationen tatsächlich ins Langzeitgedächtnis kommen? Warum du dich an manche Situationen aus der Schule noch erinnerst, während du überlegen musst, was du letzten Sonntag gegessen hast? Wer fit sein will für die Arbeitswelt der Zukunft, wird noch viel lernen. Da wäre es natürlich hilfreich, auch effizienter zu lernen als bisher. Damit das gelingt, gibt es hier 4 Fakten über den Hippocampus, der die Informationsaufnahme in unser Langzeitgedächtnis steuert.

Der Hippocampus ist der Türsteher des Langzeitgedächtnisses

Na gut, das ist jetzt noch kein Fakt. Aber – ein sehr gutes Bild, an dessen Beispiel die 4 Fakten verständlicher sind. Und wie beim Türsteher für den begehrtesten Club der Stadt – so wollen eigentlich auch alle Sinneseindrücke am Hippocampus vorbei auf die Party (=das Langzeitgedächtnis). Und, der Hippocampus ist schleifenartig. Das ist bereits ein Fakt, spielt aber keine übergeordnete Rolle. Bildlich gesprochen drehen sich also alle Informationen vor dem Türsteher in einer Drehtür im Kreis. Und alles, was wir bewusst mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen, begibt sich potenziell in die Drehtür und qualifiziert sich für eine Aufnahme auf der Party. Da das allerdings über den Tag verteilt wirklich viele Informationen sind, ist der Türsteher wirklich sehr genau bei der Auswahl. Hier kommen jetzt ein paar Tricks.

Wer gute Laune mitbringt hat gute Chancen

Wie auf Parties so üblich, möchte der Veranstalter eine gute Stimmung haben. Dafür hat der Hippocampus auch einen Mechanismus, denn er wählt Informationen nach emotionaler Erregung aus. Alles, was uns sehr stark positiv emotional erregt – uns also gute Laune bereitet oder zu Begeisterung führt – wird sehr schnell ins Langzeitgedächtnis aufgenommen. Der Grund dafür ist sehr einfach: Wenn mir etwas Freude bereitet, möchte ich davon mehr haben. Beim Lernen gibt es mehrere Wege, das zu erreichen. Entweder ist die Situation und das Umfeld an sich so positiv und bringt mich in gute Stimmung, oder aber das Thema an und für sich ist so begeisternd, dass der Hippocampus eigentlich keine andere Wahl hat, als die ganze Gruppe reinzulassen. Ganz wichtig: Wer schlechte Laune hat, bleibt draußen. Deswegen ist es fast unmöglich, Informationen aufzunehmen, die in uns keine emotionale Erregung oder negative Gefühle auslösen. Genauso negativ wirkt sich das Umfeld aus, wenn Druck, Stress oder Angst empfunden werden. Das ist wirklich Fakt!

In der Nacht ist der große Einlass

Der Hippocampus ist Pragmatiker. Er möchte nicht andauernd Informationen abwägen und sortieren (bildlich gesprochen). Seine aktivste Zeit ist, wenn du schläfst. Aber nicht während des kurzen Power-Naps, sondern wirklich im Tiefschlaf. Daraus gibt es jetzt einige wichtige Erkenntnisse. Wenn du viel zu lernen hast, solltest du auch viel schlafen. Wenn das Lernen nachhaltig sein soll, führt kein Weg daran vorbei, denn im Schlaf werden die Erkenntnisse und Informationen konsolidiert. Besonders was vor dem Schlafengehen passiert, bleibt in Erinnerung: Dazu ein kleines Beispiel – gerade, wenn du viele Themen zu lernen hast, egal wie du dabei vorgehst: Wenn du dann vor dem Schlafengehen noch deine Lieblingsserie schaust, die dich noch dazu emotional positiv erregt (s. Fakt Nummer 1) – ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die „Erlebnisse“ von der Serie mit in die Drehtür des Hippocampus eintreten. Und jetzt kannst du dir selbst überlegen, wer in deiner Drehtür die beste Laune mitbringt. Denn wenn du ansonsten relativ emotionslose Inhalte zu lernen hast, wird dir natürlich deine Serie besser in Erinnerung bleiben als deutsches Steuerrecht oder die Grundsätze der Thermodynamik. Und noch dazu hält dich die Serie wahrscheinlich auch noch vom Schlafen ab…

Wen auf der Party kennst du denn schon?

Bei manchen Türstehern verpönt, beim Hippocampus der absolute Schlüsseltipp: Je mehr Leute du auf der Party kennst, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du auch rein darfst. Das heißt, je besser eine neue Information in einen bestehenden Kontext passt und je besser es dir gelingt, Assoziationen zu bestehenden Informationen zu bilden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Information im Langzeitgedächtnis landet. Entscheidend dafür sind im Bereich des selbstorganisierten Lernens eigentlich gezielte Fragen. Je mehr Kontext du hast, desto leichter fällt es dir, Lücken zu formulieren: „Wenn ich das jetzt noch wüsste, hätte ich das Thema XY wahrscheinlich verstanden.“, also wie ein fehlendes Puzzlestück mit dem du ein Thema vollumfänglich verstehen könntest. Das Tolle daran ist, solche gezielte Fragen kann man Experten stellen, oder gezielt danach im Internet suchen. Das ist wie wenn der Türsteher den ganzen Abend schon auf jemanden wartet, den er dann natürlich gleich an der Schlange vorbeilässt.

Moment, du bist doch schon da?!

Genauso wichtig wie Kontext und Assoziationen ist der letzte Fakt: Clevere Wiederholung. Stell dir vor, du kommst zu einer Party und der Türsteher sagt dir:“Moment, dich hab ich doch gerade erst reingelassen. Du bist also schon da.“ Genau das passiert, wenn wir beim Lernen einfach stupide wiederholen. Dann sagt der Hippocampus: Das kenn ich doch schon, warum sollte ich das denn nochmal lernen. Deswegen ist es wirklich verschwendete Zeit, ein und denselben Text wiederholt zu lesen. Viel besser wäre es, die Information merk-würdig zu verpacken (an dieser Stelle liebe ich die deutsche Sprache, denn das ist wirklich ein geniales Wort). Also ändere die Information so ab, dass sie im Kern gleich ist, aber anders verpackt, verknüpft, vermittelt und abgespeichert wird. Gute Ansätze dafür sind ein Thema in eigenen Worten aufzuschreiben, zu erklären, sich eine Situation vorzustellen, in der es um das Thema geht, diese nachzuspielen, etc. Und wirklich: Je alberner das abläuft, desto „merk-würdiger“ wird es für den Hippocampus. Dann hat er das Gefühl, dass das jetzt eine neue Information ist, die er aber sehr gut einsortieren kann, denn der Kontext besteht bereits. Wenn dich die Aufbereitung der Information noch zum Lachen bringt und Freude bereitet – wirst du es nie wieder vergessen.

Kurzer Test

Wenn du willst, schließ kurz die Augen, und versuch dich an die vier Fakten zu erinnern. Denk an das Bild des Türstehers, und wie du ihn überlisten möchtest. Wenn ich Glück habe, hast du vielleicht während des Lesens schon mal schmunzeln müssen, und dein Hippocampus freut sich über neue Gäste.