3 Ansätze für die Bildung der Zukunft

Aus der rapiden Entwicklung des Internets der letzten 20 Jahre ergibt sich ein Potenzial, das wir bisher noch nicht einmal ansatzweise nutzen. Schlimmer noch: Wir betrachten Bildung und Lernen immer noch so, als wären Informationen gut gehütete Geheimnisse, die es auswendig zu lernen gilt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Alles was wir dafür benötigen, ist bereits da.

Wie es uns gelingt? Ich schlage 3 Ansätze vor.

„Lernen“ braucht ein neues Kleid

Woran denkst du unmittelbar bei dem Begriff „Lernen“? Die geläufigste Interpretation des Begriffs ist am ehesten mit „Pauken“, „Büffeln“ beziehungsweise dem unfreiwilligen Konsum von Informationen gleichzusetzen. Lernen ist also etwas, das man tut, weil man es muss. Und zwar mit dem Ziel, einer Vorgabe gerecht zu werden. Wer mehr lernt, bekommt hinterher eine bessere Bewertung. Diese Interpretation ist das Ergebnis unserer persönlichen Erlebnisse im Bildungssystem. Deswegen verbinden wir den Begriff eher mit Stress, Bücher wälzen, Nachtschichten und Zwang als mit dem, wofür er meiner Ansicht nach stehen sollte.

Im ersten Moment wirkt das vielleicht wie eine Kleinigkeit, macht aber einen erheblichen Unterschied. Welchen gravierenden Einfluss unsere Sprache auf unser Leben hat, beschreibt die Autorin Kübra Gümüsay eindrucksvoll in ihrem Buch „Sprache und Sein“. Das haben sicherlich auch schon einige vor ihr getan (wie zum Beispiel der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein), aber Gümüsay gelingt dies in einer sehr mitreißenden und zeitgemäßen Art.

Welche Definition und welche Sichtweise auf den Begriff des Lernens wäre also günstiger? Ich schlage vor, eher die psychologische Definition zu verwenden: Dort gilt etwas als gelernt, wenn ein Mensch tatsächlich sein Verhalten ändert. Es bedarf beim Lernen also weit mehr als nur die Aufnahme und Wiedergabe von Informationen. Damit verliert Lernen auch sein zwanghaftes Image und wird zur Chance. Denn im Hinblick auf die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft ist unsere Fähigkeit zu lernen unsere einzige Chance.

Den Wirkungsgrad des Wissens erhöhen

Nehmen wir mal an, wir definieren einen „Wirkungsgrad des Wissens“: Also das Verhältnis von verfügbarem Wissen zu angewandtem Wissen. Dann wäre heute der Wirkungsgrad unseres Wissens so gering wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Denn niemals zuvor war Wissen und Information so uneingeschränkt verfügbar wie heutzutage.

Das kannst du ganz leicht an dir selbst ausprobieren: Mach doch mal eine Liste an Wissen, das du eigentlich hast, das du allerdings nicht anwendest. Wenn du Inspiration brauchst – denk nur mal über die Bereiche Gesundheit, Karriere, Produktivität, Stress, Mobilität und Klimaschutz nach. Ich bin mir sicher, die Liste ist ganz schön lang. (Bei mir übrigens auch)

Also auch hier haben wir alle Wissen, das brachliegt, das wir nicht anwenden.

Ergo: wir haben es eigentlich noch nicht gelernt.

Wie erhöhen wir den Wirkungsgrad? Wir alle haben schon Trainings und Seminare besucht, Podcasts gehört, TED-Talks inhaliert, bei denen wir aus dem Kopfnicken kaum noch herausgekommen sind. Häufig werden wir dann an bereits existentes Wissen erinnert:

„Das stimmt, das wollte ich eigentlich schon lange mal angehen!“

Hinterher fühlen wir uns bestätigt, energetisiert. „Jetzt geh ich es an!“

Und dann? Dann kommt der Alltag. Die gerade noch so heiße Spur wird wieder kalt. Was uns hilft? Unsere Mitmenschen.

Bildung als Beziehung begreifen

In letzter Zeit werde ich häufig gefragt, warum ich mich denn als „Lernbegleiter“ bezeichne. Wie ich bereits versucht habe zu erklären, ist die Menge und Qualität unserer verfügbaren Informationen nicht ausschlaggebend für unseren Lernerfolg, wenn wir Lernen in der vorgeschlagenen Definition verwenden. Entscheidend ist, wie es uns gelingt, diese Informationen in Wissen umzuwandeln und dieses gezielt anzuwenden.

Wir alle handeln stets nach unserem individuellen Bewegungsgesetz: Verhaltensänderung (ergo: Lernen) findet nur in die Richtung einer wahrgenommenen Zustandsverbesserung statt. Der „bessere Zustand“ kann auch bedeuten, dass ich mich doch mit meiner Situation zufriedengebe. Oder dass ich den Lehrer blöd finde. Oder ich „lerne“, dass mich künstliche Intelligenz eigentlich gar nicht interessiert (wenn ich es gerade nicht verstehe). Aber was, wenn ich eigentlich ein langfristiges Ziel habe?

Und genau hier kommt Lernbegleitung ins Spiel.

„Damit Bildung gelingt, brauchen wir kein Gebäude, keinen Raum, kein Buch. Die Essenz der Bildung ist nur eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Einem, der etwas lernen möchte und einem, der ihn dabei unterstützt.“

Ken Robinson

Wir brauchen uns gegenseitig, um uns auf diesem Weg zu begleiten. Neue Wege zu finden, über Erlebtes zu reflektieren. Aus Informationen konkrete Pläne zu schmieden, die wir tatsächlich in die Tat umsetzen.

Egal, ob wir Programmierer werden wollen, ein Unternehmen gründen möchten oder eine empathischere Führungskraft sein wollen.

Das gelingt uns insbesondere, wenn wir uns keine Lernpfade aufdrängen, sondern aufmerksam zuhören, wo wir eigentlich hinwollen.

Und jetzt?

Mein Anliegen ist es, diese Ansätze zu leben. Ich sehe großes Potenzial darin, dass wir so beginnen können, aus den Erkenntnissen, die wir bereits haben, ins Handeln zu kommen.

Die Informationen sind da. Fangen wir an, sie umzusetzen.